Technik

Trimmanleitung Ixylon        

07/2021 von Stefan Claus

Inhalt:           1.       Mastposition
                    2.       Riggspannung
                    3.       Mastfall
                    4.       Genua
                    5.       Holepunkt
                    6.       Großsegel und Mastbiegung

In dieser Trimmanleitung soll versucht werden, ein grundsätzliches Verständnis für die Basiseinstellungen an der Segeljolle „Ixylon“ zu bekommen. Ein gut getrimmtes Boot lässt sich gut steuern, reagiert sofort auf Kursänderungen und ist schnell unterwegs.

Alle Anleitungen und Maße sind meine eigenen Erfahrungswerte und funktionieren an meinem eigenen Boot. Wenn jemand andere Erfahrungen gemacht hat, ist das für ihn auch gut. Jedes Boot ist ein wenig anders, möglicherweise funktionieren auch andere Einstellungen.

  1. Mastposition

Die Position des Mastes auf dem Mastfußbeschlag ist tendenziell weit hinten. Der Mast darf aber nicht zu weit hinten stehen, sonst hat er keine Führung mehr seitlich auf Deckshöhe.

  1. Riggspannung

Die Riggspannung wird mit dem abgebildeten Meßgerät gemessen

riggspannung

Die Riggspannung ist abhängig von der Windstärke. Bei wenig Wind wird wenig Riggspannung gefahren, bei viel Wind mehr Riggspannung. Hintergrund ist, das bei mehr Wind das Vorliek der Genua mehr durchhängt. Dieser Durchhang wird durch stärkeres Durchsetzen verringert.

Der Vorliekdurchhang der Genua ist üblicherweise durch den Segelmacher berücksichtigt. Das heißt, das Vorsegel hat sein konstruiertes optimales Profil immer bei einem bestimmten Durchhang der Vorliekskurve. Ist der Durchhang bei viel Wind zu groß, weil die Riggspannung zu gering ist, wird das Vorsegel zu bauchig. Bei zu viel Spannung bei wenig Wind wird das Profil des Vorsegels verzerrt.

Damit die Ixylon eine höhere Riggspannung aufnehmen kann, muß unter den Mastfuß eine Platte gesetzt werden, damit der Druck über die Fläche verteilt werden kann.

Empfohlene Riggspannung         :        

  • Leichtwind 17
  • Mittelwind 19
  • Starkwind 21

Alle Maße gemessen am Vorliekdraht, 3mm stark, Material 1×19.

Wenn der Rumpf zu viel Riggspannung bekommt, entsteht am Unterwasserschiff eine Beule auf Höhe Mastfuß. Damit sind bleibende Schäden am Rumpf wahrscheinlich. Und Garantie vom Hersteller gibt es dann auch nicht mehr.

  1. Mastfall einstellen

Das Mastfall wird an den seitlichen Püttingeisen eingestellt. Die Riggspannung wird am besten mit einem Flaschenzug aufgebaut, der am Fockfall zieht. Ein Hebelspanner geht auch, funktioniert aber nicht so genau und lässt sich schwieriger einstellen.

Vorgehensweise:

  1. Durchsetzen bis Riggspannung 19
  2. Messen, dazu Maßband am Großfall befestigen, die Null auf die Oberkante der unteren Meßmarke am Mast setzen. Vorher noch messen, ob die Meßmarke stimmt. Die Oberkante der Meßmarke soll 1,08m vom Mastfuß entfernt sein.
  3. Mit Maßband zum Heck gehen, dort Maß Oberkante Deck messen. Das Maß soll 1,36m betragen.
mastfall a
  1. Wenn dieses Maß nicht erreicht ist, an Püttingeisen umlochen, wieder Riggspannung 19 einstellen und neu messen.. Prozedur so lange wiederholen, bis Maß und Spannung stimmen.
  2. Spannung erhöhen auf 21. Mastfall messen, es müsste etwa 1,38m sein.
  3. Spannung verringern auf 17. Mastfall beträgt dann etwa 1,34m bis 1,35m.
  4. Alles mit Edding auf den Cockpitboden schreiben oder Aufkleber setzen, je nach Schönheitsanspruch. Bei mir zählt immer die Hinterkante vom letzen Block für das Maß.
mastfall b

Immer daran denken : wenn etwas geändert wurde, zum Beispiel ein anderer Vorliekdraht, oder Seillängen oder Knotenpositionen am Flaschenzug o.ä., muß neu eingestellt werden.

  1. Einstellen der Genua

Die Genua kann auf dem Vorliekdraht verschoben werden. Die Befestigung des Segels am Segelkopf (also am oberen Wirbel) muß enger gebunden werden, wenn das Segel höher gefahren werden soll. Oder eben umgekehrt. Am Segelhals muss zwischen Vorliekdraht und Befestigungspunkt an der Aufrollmechanik meistens noch ein kleines Locheisen gesetzt werden, um die Höhe der Genua zu variieren. Daran denken, das die angezeichneten Positionen für die Riggspannung sich dann ändern und neu angezeichnet werden müssen.
Die Genuaschot bekommt ein enges Auge und wird mit einem Softschäkel am Schothorn befestigt.

Die Höhe der Genua so einstellen, dass:

  • Die Genua möglichst dicht am Deck abschließt (dadurch wird der Druckausgleich zwischen Luv und Lee verringert).
genua
  • Das Schothorn der Genua dichtgezogen an Land 1-2 Handbreit Platz bis zum Holepunkt hat.
  • Die Tuchspannung der Genua wird am Segelhals eingestellt. So einstellen, dass das Vorsegel im Anströmungsbereich keine Falten hat.
  1. Position Holepunkt Genua

Die Position des Genuaholepunktes kann mit dem Rutscher auf der Schiene verstellt werden. Die Rutscherposition beeinflußt die Spannungsverteilung zwischen Unterliek und Achterliek der Genua.
Ist der Holepunkt weiter vorn, kommt mehr Zug auf das Achterliek und das Unterliek wird loser. Das Segel wird bauchiger und „schließt“ hinten.
Ist der Holepunkt weiter hinten, kommt mehr Zug auf das Unterliek und das Achterliek öffnet sich stärker. Das Segel wird im unteren Bereich flacher.

Die Grundeinstellung sollte so sein:  etwa die Winkelhalbierende zwischen Unterliek und Achterliek finden, und dann etwas mehr Zug auf das Achterliek, also den Rutscher ein Stück nach vorn.

Damit man mit dem Boot gute Höhe am Wind fahren kann, sollte die Genuaschine so weit wie möglich innen befestigt werden.

holepunkt

Bei Starkwind sollte der Rutscher (Holepunkt) ein Stück nach hinten genommen werden, um das Achterliek der Genua zu öffnen und Druck im Segel abzubauen.

  1. Großsegel und Mastbiegung

Großsegel sind durch den Segelmacher generell mit einer „Vorliekskurve“ geschnitten. Das bedeutet, daß das Vorliek des Großsegels nicht gerade, sondern nach außen gewölbt ist. Diese Tatsache muß beim Einstellen der Mastbiegung berücksichtigt werden.

Mastbiegung:      

  • große Biegung bewirkt ein flaches Segel
  • wenig Biegung bewirkt ein bauchiges Segel

Ist der Mast zu gerade, also ohne Biegung oder mit zu wenig Biegung, wird das Großsegel im Bereich hinter dem Mast zu bauchig. Das sorgt dafür, das die „Düse“, also der Spalt zwischen Vorsegel und Großsegel zu klein wird. Die Umströmung wird gestört und es entsteht im Großsegel im Bereich hinter dem Mast ein „Gegenbauch“. Das macht das Boot langsam.

Ist der Mast zu gebogen, wird das Profil des Segels flacher. Das Achterliek des Segels öffnet sich und Druck wird abgebaut. Das ist nur für Starkwind gut. Bei normalen Bedingungen verlieren die Segel an Leistungsfähigkeit.

Wie kann die Mastbiegung eingestellt werden:

  • Trimmklötze in der Decksdurchführung. Klötze drücken den Mast nach hinten und sorgen für einen geraden Mast.
  • Länge und Pfeilung der Salinge, dabei müssen Länge und Pfeilung im Zusammenhang gesehen werden.
    • Länge: Wenn durchgesetzt ist, stehen die Wanten unter Spannung. Die Wanten drücken über die Salinge gegen den Mast. Lange Salinge drücken den Mast stärker nach vorn und sorgen für mehr Biegung. Also lange Salinge sorgen für stärkere Mastbiegung und kürzere Salinge bewirken weniger Mastbiegung.
    • Pfeilung: Pfeilung ist der Winkel zwischen den Salingen. Ist dieser Winkel spitzer (starke Pfeilung) wird stärker auf den Mast gedrückt und wir bekommen mehr Mastbiegung. Ist dieser Winkel stumpfer (geringere Pfeilung) wird weniger auf den Mast gedrückt und die Mastbiegung ist geringer.
pfeilung 1

Die Mastbiegung muß an die konstruierte Kurve des Segels angepaßt sein. Die Grundeinstellung erfordert eine leichte Biegung von 5-6cm. Wer noch einen alten Müggelspreemast aus DDR-Zeiten hat, kann mit den vorhandenen Salingen nichts einstellen und muß Änderungen an den Salingen vornehmen.